Einträge in visuelles Protokoll
Lernen durch Engagement, lernen für´s Leben!
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Ich habe keine Kinder. Aber mein Partner. Zwei. Er ist Lehrer. Tagaus, tagein sehe ich, welche Tücken bezüglich der Motivation das Schulsystem, sowohl für Lehrer als auch für die Kinder, bereit hält. 

Lernen durch Engagement erhebt den Anspruch, Lernen praxisnaher, nachhaltiger und ressourcenorientierter zu gestalten. Lernen für´s Leben — Wissen gepaart mit sozialen Kompetenzen. 

Das sind hehre Ziele! Aber wie sieht das in der Praxis aus? Was bedeutet Servicelearning? Und wo braucht Lernen durch Engagement noch ein bisschen Unterstützung? 

Das Bild ist eine Zusammenfassung des moderierten Austausches der 2.Jahrestagung zu den oben beschriebenen Fragen. Im Folgenden möchte ich auf zwei beschriebene Praxisbeispiele näher eingehen, die mich sehr beeindruckt haben. 

Beispiel Nummer 1)

Eine Schule berichtete, dass sie viel mit Migranten zu tun hätten, mit einem anderen kulturellen Hintergrund als dem „typisch deutschen“. Viele hätten schon die Idee gehabt, in die Pflege zu gehen, ohne genau zu wissen, was dieses ganz praktisch für sie bedeutet. In Ihren Herkunftsländern wurde die Pflege von Angehörigen oft innerhalb der Familie geregelt. Klar kann man ein Praktikum machen, um den Unterschied erlebbar zu machen, aber das ist eben gleich mitten hinein geworfen — oft ohne ausreichende Reflexionsmöglichkeiten. Lernen durch Engagement geht anders an solche Fragestellungen heran. Hier wird das zu behandelnde Thema  schon in der Vorbereitung mit unterschiedlichen Schwerpunkten beleuchtet. Was ist Pflege? Wo findet sie statt? Wer bezahlt die Pflegekräfte? Welchen gesellschaftlichen Wandel kann man in der Pflege sehen und so weiter. Pflegekräfte und Patienten werden interviewt, begleitet oder es werden Events geplant und veranstaltet, die einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen. So wird ganz praktisch deutlich, wie vielschichtig ein Thema sein kann. In der Nachbesprechung werden Reflexionsmöglichkeiten geschaffen, die es den Schülern ermöglichen, zu sehen, welche neuen Fähig- und Fertigkeiten sie erlangt haben und wo sie an ihre Grenzen gestoßen sind. Das, was mich nachhaltig an diesem Beispiel beeindruckt hat, ist dass Schüler die Möglichkeit bekommen, ihre Vorannahmen mit der Realität abzugleichen und mit dem Outcome nicht alleine gelassen werden. Sie lernen ganz praktisch, was es bedeutet, dass ein starkes Wir ein starkes Ich benötigt, welches bereit ist, seine Fähigkeiten zum Gelingen aller mit einzubringen. Dass es ok ist, nicht alles im Vorfeld zu wissen, sondern dass das auf den Weg machen, schon der erste Schritt zur Lösung ist.

Beispiel Nummer 2)

Eine Rektorin berichtete von der Herausforderung ihre derzeitige Schule abwickeln zu müssen. Das bringt nicht nur viele fachlichen Fragen mit sich (Know-How), sondern auch das Aktivieren vieler sozialer Kompetenzen, um einen guten Umgang mit der Trauer,  der Wut und der mangelnden Motivation der Kollegen und Schüler zu finden. Die Antwort der Rektorin auf diesen Umstand sollte folgende sein: Warum mache ich nicht Betroffene zu Beteiligten und gebe Ihnen somit die Chance, ein Stück Selbstwirksamkeit zurück zu gewinnen? Für mich ist genau dieser Ansatz ganz großes Kino. Wir alle haben schon Situationen erlebt, in denen über uns entschieden wurde. Wie haben wir uns dann gefühlt? Was macht das mit unserer Sicht auf uns selbst, auf unsere Kompetenzen, auf Andere und auf die Welt? Oft bleibt ein ziemliches „Geschmäckle“ zurück, wenn über uns entschieden wird. In so einer Situation die Selbstwirksamkeit und die Ressourcen zu aktivieren, die gebraucht werden, um einen würdevollen Abschied zu nehmen, ist eine Meisterleistung — initiiert von einer Person, getragen von vielen. Auch hier bedeutet Lernen    für´s Leben mehr, als ein bloßes Umgehen mit „Schön-Wetter-Umständen.“ 

Alles in allem bleibt mir nur übrig den Hut vor den Lehrkräften und Schülern zu ziehen, die bereit sind, neue Wege zu gehen und ihr Herzblut in diese umfangreiche Form des Lernens zu stecken. Es gab viele berührende Berichte, auch wenn ich nur diese beiden exemplarisch hervorgehoben habe. Neugierig? Hier erfahren sie mehr über Lernen durch Engagement.